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90 Jahre Gewerbegruppe des Kantonsrates

Die wirtschaftlichen Kräfte bündeln

Vor 90 Jahren ist die Gewerbegruppe des Kantonsrates gegründet worden. Bis heute ist sie bestrebt, die wirtschaftlichen Interessen gezielt zu vertreten.

FRAUENFELD – Jüngst trafen sich die Mitglieder der Gewerbegruppe im Goldenen Kreuz in Frauenfeld, um etwas zu feiern. Am 21. Mai 1920, also vor gut 90 Jahren, hatte sich ein Leitender Ausschuss im Hotel Bahnhof in Romanshorn getroffen, um die Gründung einer Gewerbegruppe im Grossen Rat zu beschliessen. Die Vereinsgründung erfolgte dann am 10. Juli 1920 am selben Ort.

„Strenge Disziplin halten“

„Es soll künftig vermieden werden, dass Mitglieder der Gewerbegruppe Motionen oder Interpellationen stellen, ohne die Gewerbegruppe vorher begrüsst zu haben. Wir müssen darauf dringen, strenge Disziplin zu halten und keine Zersplitterung aufkommen zu lassen“, wurde im Protokoll zu dieser Gründungsversammlung festgehalten.

An dieser Zielsetzung habe sich bis heute nichts geändert, machte Peter Schütz, FDP-Kantonsrat und Präsident des Thurgauer Gewerbeverbandes (TGV), in seiner kurzen Ansprache vor Kantonsräten und Regierungsratsvertretern deutlich. Die Vertretung der wirtschaftlichen Interessen und die Bündelung der Kräfte stehe nach wie vor im Vordergrund der Aktivitäten. Heute zählt die Gewerbegruppe rund 20 Mitglieder aus der FDP, der SVP, der CVP und der EVP. An regelmässigen Treffen werden aktuelle politische Fragen erörtert, Ueberlegungen ausgetauscht und Handlungsmöglichkeiten diskutiert.

Von Selbstkritik und Erfolgen

Im Laufe der vergangenen 90 Jahre hatte sich die Gewerbegruppe immer wieder selbstkritisch und kämpferisch gezeigt. In einem Protokoll des TGV aus dem Jahre 1950 hiess es etwa, „der Ausgang der Grossratswahlen war aber, gesamthaft betrachtet, unerfreulich. […] Mit Bedauern müssen wir feststellen, dass die Gewerbegruppe eine weitere Schwächung erfahren hat. […] Deshalb müssen wir heute schon an unsere verantwortlichen Sektionspräsidenten die dringliche Bitte richten, der politischen Schulung unserer Handwerker und Detaillisten vermehrte Aufmerksamkeit zu schenken“.

Rückblickend auf die Grossratswahlen vom 12. April 1959 wurde in einem weiteren Protokoll festgehalten, dass die interne Propaganda Früchte getragen habe. Die Gewerbegruppe von vormals 18 habe auf 23 Ratsmitglieder ausgebaut werden können. Darunter befanden sich bekannte Namen wie Albert Bach, Schmiedmeister aus Eschenz, Ernst Fischer, Schlossermeister aus Romanshorn, Otto Keller-Gimmel, Techniker aus Arbon, Willi Labhart, Gemeindeamman aus Steckborn, Dr. jur. Hans Munz, Rechtsanwalt aus Amriswil, Louis Sauter, Fabrikant aus Ermatingen, Dr. rer.pol. Rolf Sax, Thurgauer Gewerbesekretär aus Weinfelden, oder Max Steiner jun., Kaufmann aus Frauenfeld, Max Walter, Gemeindeammann aus Sulgen und Dr. Charles Wüthrich, Gerichtspräsident aus Bischofszell.

MARTIN SINZIG