Büchse der Pandorra geöffnet
Eigentlich hätte das neue Revisionsaufsichtsgesetz (RAG) die KMU gezielt entlasten sollen, doch in der Praxis ist das Gegenteil der Fall. Der SGV will nun mit parlamentarischen Vorstössen für Abhilfe sorgen.„Das Anfang 2008 in Kraft gesetzte RAG zeigt deutlich auf, dass gerade für KMU eine verheerende Entwicklung eingesetzt hat, die vom Parlament weder gewollt noch vorhergesehen wurde“, hält SGV-Präsident und Nationalrat Edi Engelberger fest. Das an sich gute Gesetz werde durch die Ansprüche von Banken und Revisionsgesellschaften ausgehöhlt. Engelberger zählt die grössten Probleme auf:
• Die wenigsten KMU können heute auf die im RAG vorgesehene eingeschränkte Revision verzichten, weil sie von den Revisionsgesellschaften und Banken unter sehr starken Druck gesetzt werden. Wer nicht einlenkt, hat Nachteile beim Kreditrating zu befürchten. KMU, die gemäss Gesetz eigentlich bloss eine eingeschränkte Revision benötigten, müssen sich also ordentlich revidieren lassen. Der Zusatzaufwand gegenüber der bisherigen Revision liegt bei 25 bis 40 Prozent.
• Selbst kleine und kleinste Aktiengesellschaften werden von den Revisionsgesellschaften dazu gezwungen, ein aufwändiges internes Kontrollsystem (IKS) und ein ebenso aufwändiges Risikomanagement (RM) aufzuziehen. Die Revisionsgesellschaften sind es, welche die Unternehmen – immer Bezug nehmend auf das neue RAG – dazu zwingen, das IKS detailgetreu nach Vorgabe der Schweizerischen Treuhand-Kammer zu gestalten. Diese Vorgaben umfassen allein bezüglich IKS über 20 Seiten. Die eidgenössische Revisionsaufsichtsbehörde hat diesen Standard bloss formell genehmigt; zum Inhalt und somit zu den Problemen der KMU nimmt sie keine Stellung.
Für Engelberg ist klar, dass das neue RAG den KMU bloss Nachteile gebracht hat: „Der Gesetzgeber hat die Eigendynamik, vorab den Druck von Banken und Revisionsgesellschaften, massiv unterschätzt. Man hat eine Büchse der Pandorra geöffnet, welche die KMU den Banken und Revisionsgesellschaften richtiggehend ausliefert. Aufgrund ihres geringen Einzelgewichtes haben die Unternehmen keine Chance sich dagegen zu wehren.“ Der Gewerbeverband könne diese Entwicklung auf keinen Fall hinnehmen, betont der SGV-Präsident. Er hat denn in der Herbstsession auch eine Motion eingereicht, mit welcher der Bundesrat beauftragt wird, durch eine Änderung des RAG dafür zu sorgen, dass die Vorschriften über das interne Kontrollsystem und das Risikomanagement künftig KMU-freundlich gestaltet werden. Um den politischen Druck zu verstärken, hat Ständerat und SGV-Vorstandsmitglied Rolf Büttiker in der Kleinen Kammer einen gleichlautenden Vorstoss lanciert.
Patrick M. Lucca SGV


