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News aus dem SGV

Gefährliche Lohnforderungen.

Der Schweiz steht ein heisser Herbst bevor:  Die Arbeitnehmerverbände wollen den vollen Teuerungsausgleich sowie happige Reallohnerhöhungen einfordern. Die Wirtschaft – insbesondere der KMU-Bereich – ist damit klar überfordert.


Daniel Lampart vom Schweizerischen Gewerkschaftsbund (SGB) will bei den Lohnverhandlungen im Herbst den vollen Teuerungsausgleich fordern: „Rund 2,5 Prozent, realistisch wären eher 2,7 Prozent.“ Dazu sollen die Arbeitgeber eine. Reallohnerhöhung von rund zwei Prozent gewähren. „Wir werden insgesamt etwa vier bis fünf Prozent mehr Lohn fordern“, so der SGB-Chefökonom Lampart, „die Leute erleiden einen Kaufkraftverlust und dieser muss sicher ausgeglichen werden“. In ähnlichen Grössenordnungen bewegen sich die Forderungen des Personalverbandes Angestellte Schweiz. Dieser verlangt eine Reallohnerhöhung von bis zu zwei Prozent. Diese Forderung sei „keineswegs bedrohlich“, betont Verbandspräsident Benno Vogler. Viele Firmen hätten in den letzten Jahren Rekordgewinne vermeldet. Zudem sei in vielen Branchen Personal mit Erfahrung und der erforderlichen Fachausbildung heute Mangelware. Dies müsse sich auf die Löhne dieser Arbeitnehmenden auswirken.

Gegen Pauschallösungen
Der Schweizerische Gewerbeverband (SGV) lehnt diese Pauschalforderung dezidiert ab. „Wir befürworten individuelle Lösungen je nach Branche, Region und Unternehmung“, sagt der SGV-Arbeitsmarktexperte Rudolf Horber unmissverständlich. Er bedauert, dass die Arbeitnehmerorganisationen die wirklichen Wirtschaftsstrukturen der Schweiz immer noch ausblenden. „88 Prozent der über 300 000 Firmen beschäftigen weniger als zehn Personen. In diesem Bereich werden keine Riesengewinne gemacht und es gibt hier auch keine abzockenden Manager.“ Man könne die Situation der KMU mit jener der grossen Industrieunternehmungen, Banken und Versicherungen nicht vergleichen. „In vielen Branchen – etwa im Baugewerbe, in der Gastronomie oder im Detailhandel – sind die Margen unter dem grossen Konkurrenzdruck sogar noch weiter geschmolzen. Zudem müssen die in der letzten Zeit explodierenden Kosten für Energie und Rohstoffe verdaut werden “, hält Horber fest. Und: „Der Spielraum für Lohnerhöhungen ist damit generell nicht besonders gross, zumal die Konjunktur ins Stottern geraten ist. Dieser Befund muss für alle gelten – auch für Topmanager von Grossbetrieben, die nicht Wasser predigen und Wein trinken sollten“ Vorstellbar wäre für den SGV-Experten eine Grössenordnung wie im Gastgewerbe. Dort haben sich kürzlich die Sozialpartner auf eine Erhöhung der Mindestlöhne ab 2009 um 2,5 Prozent geeinigt.

Falsche Behauptungen
Rudolf Horber widerspricht auch der Behauptung der Gewerkschaften, wonach die Schweizer Arbeitnehmenden in den letzen Jahren massive Kaufkraftverluste hinnehmen musste. „Laut volkswirtschaftlicher Gesamtrechnung ist der Lohn pro Vollzeitstelle im Jahr 2005 um 3,2 Prozent angestiegen, 2006 um 4,0 Prozent und letztes Jahr noch um 2,5 Prozent.“ Laut Horber teilt der SGV die Einschätzung von Nationalbankdirektor Thomas Jordan, wonach ein voller Teuerungsausgleich eine Lohn-Preis-Spirale in Gang setzen könnte. „Wir müssen stets das Gesamtinteresse unserer Wirtschaft im Auge behalten und ein Abrutschen in die Rezession verhindern. Kurzfristige Vorteile – für wen auch immer – sind von sekundärer Bedeutung.“

Patrick M. Lucca (SGV)