Medienmitteilung: "Risiko hat sich mehr als gelohnt"

Am heutigen Mittwoch fand die Preisverleihung des «Thurgauer Apfels» statt. Die Frauenfelder Sonnenschirm-Herstellerin Glatz AG erhielt die Auszeichnung, primär für ihre lange Geschichte, regionale Verankerung und internationale Anerkennung.

«Als ich 1993 die Geschäftsführung übernahm, hatte ich drei Mottos», sagt Markus Glatz. «Erstens: Ich baue nie.» Er lächelt ironisch, während er im zwischen 2022 und 2024 neu erbauten, über 8000 Quadratmeter grossen Hauptsitz der Glatz AG steht. Das Gebäude liegt zwischen dem Sitz des letztjährigen Wirtschaftspreisträgers Sky Frame und der Firma Serto in der Langfeldstrasse in Frauenfeld. «Ich hatte damals analysiert, dass in der über 100-jährigen Geschichte unseres Familienunternehmens der Umsatz jedes Mal zurückgegangen ist, wenn wir gebaut haben.»
Sein nächstes Motto sei gewesen: «Ich will nie einen Unternehmerpreis gewinnen.» Zu diesem Schluss sei er gekommen, nach dem Fall der Kreuzlinger Schuh-Produzentin Raichle. Deren Managerin erhielt noch den Schweizer Unternehmerin-Preis, kurz danach, im Jahr 1995, musste die Gruppe Konkurs anmelden.
Glatz fährt fort: «Glücklicherweise war mein drittes Motto: Was kümmert mich mein dummes Geschwätz von gestern.» So nimmt der Verwaltungsratspräsident der Sonnenschirm-Herstellerin Glatz AG, Markus Glatz, den Thurgauer Wirtschaftspreis «freudig und ehrlich gesagt auch etwas stolz» entgegen. Der Preis wurde 1999 zum ersten Mal verliehen und wird getragen von der Thurgauer Kantonalbank (TKB), dem Thurgauer Gewerbeverband (TGV), der Thurgauer Industrie- und Handelskammer (IHK) sowie vom Kanton, vertreten durch Volkswirtschaftsdirektor Walter Schönholzer. Der Preis ist mit 10'000 Franken dotiert.

Die Entscheidung fiel einstimmig

Sechs Kriterien zählen bei der Verleihung des Thurgauer Apfels: Es braucht ein Bekenntnis zum Standort Thurgau, das Unternehmen soll in den Erhalt und Ausbau der Ausbildung investieren, die Strahlkraft muss über den Thurgau und die Schweiz hinausgehen. Weiter schaut sich die Jury, die von Thomas Koller, dem Vorsitzenden der Geschäftsleitung der TKB, präsidiert wird, die Nachhaltigkeitsstrategie der Firmen an. Nebst einem ausgeprägten Unternehmertum muss auch eine Innovations- und Entwicklungskraft spürbar sein.
Diese Kriterien sah die Jury erfüllt, weshalb sie die Glatz AG einstimmig gewählt hat. Koller sagt: «Die Glatz AG ist sicherlich kein Schattengewächs.» Es ist eine von vielen Anspielungen an die Schatten spendenden Sonnenschirme aus dem Thurgau.

"De Herr Glatz isch e Legende"

Die Präsidentin des TGV und SVP-Nationalrätin Diana Gutjahr sagt in ihrer Rede: «Die Glatz AG ist mit ihren 130 Jahren und den vier Generationen, die sie geleitet haben, ein Familienunternehmen im besten Sinne.» Anita Hauser hält die Laudatio. Sie war langjährige Verwaltungsrätin der Glatz AG.
Hauser lässt den Mitarbeitenden den Vorrang: In einem kurzen Video dürfen Angestellte frei von der Leber weg sagen, was ihnen bei ihrem Arbeitgeber in den Sinn kommt. Eine Frau sagt: «Hier sind wir Mitarbeiter, wobei die Betonung auf ‹mit› liegt, nicht auf ‹Arbeiter›.» Ein Mitarbeiter bringt die Anwesenden zum Lachen, als er sagt: «De Herr Glatz isch e Legende.»
Die Präsidentin der IHK und FDP-Nationalrätin Kris Vietze nimmt diesen Namen gleich in ihr Repertoire auf und startet ihre Rede mit: «Liebe Legende.» Der Neubau im Frauenfelder Industriequartier sei ein leuchtendes Beispiel und ein Bekenntnis zu Frauenfeld, zum Thurgau und zur Schweiz. Vietze sagt: «Ein Unternehmen wächst nicht durch Glück über hundert Jahre lang. Das gibt es nur dank Menschen, die riskieren, durchhalten und investieren.»
So dankt Glatz auch explizit seiner Frau, Christa: «Wir waren gerade erst nach Frauenfeld gekommen, da musste sie schon einer Kreditaufnahme zustimmen und persönlich unterschreiben.» Das sei «die grösste Krise und gleichzeitig die grösste Chance» gewesen. Das Risiko habe sich «mehr als gelohnt». So beheimatet der Thurgau laut Glatz bis heute Europas grössten verbleibenden Sonnenschirmproduzenten.

Medienmitteilung des Thurgauer Gewerbeverbands vom 16. April 2026

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