Zwischen Weitermachen und Nahtod

Der vierte Thurgauer Wirtschaftstag «Boom!» bot Input und Vernetzungsmöglichkeiten für Unternehmen. Insgesamt vier Frauen sprachen zu den Anwesenden der Tagung.

Von Gegenwind hat Patrizia Laeri einiges zu berichten. Darum freut sich die CEO von Ellex, eine Schweizer Finanzberatungsplattform, die sich speziell an Frauen richtet, zum Thurgauer Wirtschaftstag als Referentin eingeladen worden zu sein. «Vorwärts mit Gegenwind» lautet der Titel von «Boom! 2026», organisiert von der Industrie- und Handelskammer Thurgau, dem Thurgauer Gewerbeverband und dem Verband Thurgauer Landwirtschaft.

Am 28. Mai sprechen anlässlich der Tagung im Thurgauerhof in Weinfelden namhafte Menschen aus der Wirtschaft über die aktuelle Lage und wie sie die Herausforderungen angehen. Eine davon ist Patrizia Laeri, Ökonomin und ehemalige SRF-Moderatorin. «Ich spüre momentan viel Gegenwind und habe in den letzten Jahren oft ans Aufgeben gedacht», gibt sie offen zu. Start-ups und Pro-Start-ups befänden sich in einem ständigen Oszillieren zwischen «Weitermachen und Nahtod», so ihre Erfahrung. Laeri war die erste weibliche SRF-Wirtschaftsmoderatorin. Immer noch hätten viel zu wenige Frauen Spitzenpositionen inne.

Bei den Schweizer Banken gebe es nur ein Prozent Chefinnen, und eine ihrer Beobachtungen sei, dass Frauen nicht investieren. 56 Prozent der Schweizer Frauen könnten sich finanziell nicht alleine über Wasser halten. «Die Altersarmut ist weiblich», sagt Laeri, die selbst verwitwet und zweifache Mutter ist. Hier möchte ihr Unternehmen Ellex ansetzen, um sich für eine finanzielle Gleichstellung zwischen Frauen und Männern einzusetzen.

Pionierinnen schlug ökonomischer Sexismus entgegen
Als sie Ellex im Jahr 2021 gründeten, hätten sie und ihre Kolleginnen mit massivem Gegenwind kämpfen müssen: «Eigentlich berichten Medien wohlwollend über neue Start-ups. Bei uns erschienen im wiederkehrenden Rhythmus die absurdesten Artikel.» Laeri berichtet von «ökonomischem Sexismus» und zerstörerischer Berichterstattung. Das einzig Positive daran: «Wir sind sehr schnell sehr sichtbar geworden.» Warum sie dennoch an ihrer Vision für mehr Geschlechtergerechtigkeit weitergekämpft habe, sei das Sinnstiftende des Unternehmens Ellex gewesen.
Ihre Erkenntnis: «Jeder, der Pionierarbeit anders macht, hat erst Gegenwind. Aber der schärfste Gegenwind bringt dich am weitesten voran.»

"Esst mehr Erdbeeren!"
Kris Vietze, die als Präsidentin der Industrie- und Handelskammer Thurgau zur Eröffnung der Wirtschaftstagung spricht, sagt: «Gegenwind gibt es immer, ebenso wie den Wandel.» Sie bezieht sich auf den Evolutionsbiologen Charles Darwin, und sagt: nicht der Beste, sondern wer sich am besten anpassen kann, gewinnt. Auch Diana Gutjahr, Präsidentin des Thurgauer Gewerbeverbands, findet, dass Gegenwind einen eigentlich das ganze Leben begleite, «das ist nichts Negatives, wir können uns verbessern und daraus lernen.» Maja Grunder spricht als Präsidentin des Verbands Thurgauer Landwirtschaft ein Luxusproblem an, dass die Thurgauer Landwirte aktuell herausfordert: «Wir haben zu viel Milch, zu viel Getreide, zu viel Schweinefleisch und jetzt beginnt noch die Beerenzeit.»

Der Überfluss rufe bei den Produzierenden einen Preisdruck hervor. Ihr Aufruf an die Anwesenden im Thurgauerhof klingt nach einer genussvollen Lösung für die landwirtschaftlichen Schwierigkeiten: «Esst mehr Erdbeeren!»

Medienmitteilung der Thurgauer Zeitung vom 01. Juni 2026

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