Verkehrsminister Albert Rösti hat am 9. Oktober ein ETH-Gutachten vorgestellt, das aufzeigt, welche Verkehrsprojekte bis 2045 priorisiert werden sollen. Dabei ist die Thurgauer N23 aus der Prioritätenliste gefallen. Der Thurgauer Gewerbeverband fordert die Thurgauer Regierung auf, dagegen zu opponieren und die Thurgauer Akteure rasch an einen Runden Tisch zu bringen.
Bei der STEP-Abstimmung vom 24. November 2024 hat das Thurgauer Stimmvolk, wie die Stimmberechtigten in zehn weiteren Kantonen, dem Nationalstrassenausbau zugestimmt. Nur kurze Zeit später, am 19. Dezember, hat das ASTRA die Korridorstudie N23 vorgestellt und aus Sicht des TGV eine Minimallösung präsentiert: die Umfahrung von Weinfelden (Ottobergtunnel) und eine Nordumfahrung von Amriswil, die innerhalb von 20 Jahren umgesetzt werden sollen. In dem nun präsentierten ETHGutachten
werden diese beiden Projekte jedoch abgeschossen. Zu den beiden Thurgauer Ausbaustudien hält das Gutachten fest: „... beide Projekte können aufgrund dessen auch langfristig in dieser Form nicht priorisiert werden.”
Einmal mehr vertröstet Bern den stets bundestreuen Kanton Thurgau auf die ferne Zukunft. «Das lassen wir uns nicht gefallen», äussert sich TGV-Präsidentin Diana Gutjahr.
Die N23 ist für den Thurgau von zentraler gesellschaftlicher und wirtschaftlicher Bedeutung. Sie ist eine Arterie der kantonalen Wirtschaft: Mehr als ein Drittel der rund 21 500 Arbeitsstätten des Kantons sind an ihr angesiedelt. Täglich passieren 15 000 bis 20 000 Fahrzeuge die Strecke. Die ungenügende Verkehrssituation mit den täglichen Staus verursacht einen volkswirtschaftlichen Schaden und hemmt die Entwicklung der Thurgauer Wirtschaft.
„Der Thurgau ist einer der am stärksten wachsenden Kantone der Schweiz. Bis 2040 soll die Einwohnerzahl im Thurgau Prognosen zufolge um weitere 53 000 Personen wachsen. Bevölkerung und Gewerbe sind deshalb auf eine funktionierende Verkehrsinfrastruktur angewiesen“, erläutert Diana Gutjahr. Sie weist auf die Unzufriedenheit in der Bevölkerung hin: «Nachdem sich das Thurgauer Stimmvolk bereits 2012 mit über 55 % für die BTS/OLS ausgesprochen hat, zeigen Rückmeldungen, dass viele Thurgauerinnen und Thurgauer unzufrieden sind, dass es so schleppend vorangeht. Es muss auf diesem Thema nun endlich vorwärts gehen.»
Der Thurgauer Gewerbeverband fordert die Thurgauer Regierung nun auf, alle Akteure im Thurgau an einen Runden Tisch zu laden, um eine gemeinsame Forderung an den Bund zu formulieren.